Ein inspirierender Rundgang durch das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank
Wollte man alle Exponate im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Ruhe betrachten, die vielen Informationstafeln studieren, an den interaktiven Stationen verweilen, Filme anschauen und in der Sonderschau mit dem virtuellen Adrian auf eine Musikerkarriere sparen – ein voller Tag müsste wohl eingeplant werden. So viel Zeit hatten wir beim Jour fixe am 10. Februar natürlich nicht, doch auch der knapp einstündige Schnelldurchgang mit Gästeführerin Simone Endres genügte, um zu erkennen, welches Museumsjuwel uns zu Füßen lag. Manch eine/r in unserer Gruppe nahm sich später vor: „Hier will ich nochmal hin!“
Doch zurück auf Start. Was ist eigentlich Geld? Die einfache Antwort gab das Thema der Führung: Geld ist, was gilt. Heutzutage sind es Münzen und Scheine, in früheren Zeiten wurden Objekte des Begehrens unter anderem mit Steinen, Muscheln oder Salzbarren bezahlt. Naturmaterialien kommen übrigens weiterhin zum Einsatz: Geldscheine bestehen nicht aus Papier, sondern werden – wer hätte das gedacht? – aus reiner Baumwolle hergestellt.
In Berlin und Leipzig rotieren Deutschlands Notenpressen. 370 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr europaweit neu gedruckt. Um Fälschungen zu erschweren, sind allerlei holografische Gimmicks eingebaut, zum Beispiel ein grüner Streifen über dem Wertzeichen unten links, der wandert, wenn der Schein bewegt wird. Ausprobieren! Münzen seien dagegen weniger fälschungsgefährdet, berichtete Simone Endres. Über den jährlichen Ausstoß der fünf deutschen Prägeanstalten in Berlin, München, Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg (bis 1880 war auch Frankfurt und bis 1883 Darmstadt dabei) entscheidet der Finanzminister.
Am Standort der Bundesbank, deren hoheitliche Aufgabe es ist, über die Stabilität des Geldwertes zu wachen, durfte ein Ausflug in die Finanzkrisen des 20. Jahrhunderts nicht fehlen. Im Inflationskabinett fiel der Blick auf Geldscheine mit zahlreichen Nullen. Zuletzt waren es so viele Stellen, dass die Zahl nur noch ausgeschrieben wurde. Vor der ersten Währungsreform 1923 musste die Hausfrau für ein Brot eine Billion auf den Tresen legen – damals Rentenmark, ein Jahr später folgte 1:1 der Umtausch in die Reichsmark, die nach der zweiten großen Währungsreform 1948 in die Deutsche Mark überging.
Mit Einführung des Euro 2002 ist auch diese Währung Geschichte. Doch es gibt sie noch. „12 Milliarden D-Mark sind nach wie vor im Umlauf“, wusste Simone Endres. Wer alte Scheine in einer abgelegten Jacke oder in der Zuckerdose der verstorbenen Großmutter findet, kann sie bei der Bundesbank gegen die neue Währung eintauschen. Nicht jedes Euroland ist so kulant.
Angefüllt mit viel neuem Wissen tat ein zehnminütiger Spaziergang zum Restaurant „Feldbergblick“ gut. In gemütlichem Schrebergartenambiente klang dort der Abend schmackhaft und gesellig aus. Den Blick auf den höchsten Berg des Taunus, den eine dichte Nebelwand verhinderte, genießen wir beim nächsten Besuch.
Zum Foto: Edelmetall hat Konjunktur. Der 12,5 Kilogramm schwere Goldbarren besaß 2016 einen Wert von 400.000 Euro, aktuell wird er auf 1,657 Millionen Euro taxiert.
Text Claudia Ehry

